Nichts neues und doch alles anders

Sowohl 2018 als auch das neue Jahr beweisen eindrucksvoll, dass an der Börse langfristig die Gewinnentwicklung der Unternehmen den Kursverlauf bestimmt, es aber kurzfristig völlig andere Einflussfaktoren gibt. Das letzte Jahr wurde durch die vielen politischen Kapriolen geprägt – diese gelten fast uneingeschränkt auch weiterhin im neuen Jahr, da bislang noch immer keines der großen Themen aus dem Vorjahr gelöst wurde. Allerdings hat diese Situation die Märkte im ersten Quartal des Jahres überhaupt nicht beeinflusst.

An den Aktienmärkten konnten wir trotz der weiterhin existierenden Belastungsfaktoren aus dem Vorjahr einen sehr guten Start verzeichnen. Die deutsche Börse feierte sogar den besten Start seit vier Jahren, aber auch die anderen Märkte entwickelten sich positiv.

Auch festverzinsliche Wertpapiere partizipierten an dieser Entwicklung, allerdings war der Zuwachs mit ca. 1,4 Prozent seit Jahresbeginn nicht ganz so positiv.

Warum ist jetzt alles anders?

Die Anleger sind zu der Ansicht gekommen, dass die Marktentwicklungen des letzten Jahres eine übertriebene Reaktion auf die reale konjunkturelle Entwicklung gewesen sind.

Die vielen politischen Unruheherde sind sicherlich nicht spurlos an der konjunkturellen Entwicklung vorbeigezogen; dies sieht man insbesondere an den zurückhaltenderen Ausblicken vieler Unternehmenslenker zu Beginn dieses Jahres. Nichtsdestotrotz kann man an den mittlerweile vorliegenden Ergebnissen vieler Firmen erkennen, dass die Unternehmensgewinne im letzten Jahr per Saldo trotz der widrigen Umstände weiter gestiegen sind.

Im Ergebnis führte dies dazu, dass die Sorgen der Investoren aus dem vergangenen Jahr zumindest rückblickend übertrieben waren. Das Einzige, was man bislang tatsächlich feststellen kann ist eine Verlangsamung des Konjunkturwachstums. Insbesondere in Europa hat sich das Wachstum wieder deutlich verlangsamt – so wächst beispielsweise die deutsche Wirtschaft seit dem dritten Quartal des letzten Jahres so gut wie gar nicht mehr. Allerdings rechtfertigen diese Verluste nicht die Kurseinbrüche des Vorjahres, und diese Entwicklung wurde im neuen Jahr wieder korrigiert.

Wie geht es 2019 weiter?

Auch wenn der Vergleich mit der Vergangenheit immer ein wenig hinken, gibt es durchaus gute Argumente für eine Fortsetzung der Entwicklung im weiteren Jahresverlauf.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der einzelnen Jahre an der Börse seit der Jahrtausendwende. Seitdem hatten wir bereits mehrere Krisen: das Platzen der Internet-Blase, die Lehman-Krise, die Euro-Krise und die politische Krise aus dem vergangenen Jahr. Im Ergebnis zeigt sich eines recht deutlich: die Jahre nach einer Krise waren an den Börsen in der Regel positive Jahre, obwohl die Gründe für den Einbruch und für die anschließende Erholung jeweils völlig unterschiedlich waren.

Psychologie spielt an der Börse also immer noch eine wichtige Rolle, wie sich auch wieder in diesem Jahr zeigt.

Allerdings gibt es nicht nur Vergleiche mit der Vergangenheit, sondern auch aktuelle Fakten, die für eine weiterhin positive Entwicklung sprechen.

Es gibt bereits einige Indikatoren, die auf eine verbesserte konjunkturelle Lage im zweiten Halbjahr hindeuten. Einige wichtige Rohstoffpreise steigen bereits seit einiger Zeit wieder, das chinesische Wirtschaftswachstum scheint sich zu beleben, und man kann auch davon ausgehen, dass die US-Konjunktur durch Wahlkampf-Geschenke weiter stimuliert werden dürfte. Der Börse dürfte dies alles weiterhelfen, um den bislang eingeschlagenen Pfad auch in den kommenden Monaten weiterführen zu können.

Ihr

Knapp Voith Vermögensverwaltungsteam