Liegt das Schlimmste bereits hinter uns?

Wir alle erleben gerade Historisches. Die Erlebnisse und Auswirkungen der Corona-Pandemie dürften ähnlich stark im Gedächtnis der Bevölkerung verankert bleiben wie ein Weltkrieg oder die Tschernobyl-Katastrophe.

Die Schutzmaßnahmen der Regierungen haben weltweit praktisch für eine Vollbremsung des öffentlichen Lebens und damit natürlich auch der Wirtschaft gesorgt. Dies hat dazu geführt, dass es auch an den Börsen zu drastischen Auswirkungen kam.

Wo stehen wir aktuell?

Die Märkte verloren innerhalb von nur drei Wochen überall auf der Welt mehr als ein Drittel ihres Wertes. Sowohl die Höhe als auch die Geschwindigkeit der sind historisch fast einmalig. Lediglich der Bärenmarkt aus dem Jahr 1987 zeigt einen ähnlichen Verlauf, ansonsten gibt es keinen vergleichbaren Fall.

Die Grafik zeigt aber auch, dass selbst in diesen Zeiten sehr wichtige Unterstützungs-Zonen/Wendepunkte verteidigt wurden. Die Korrektur endete genau an den Marken, die gerade bei langfristiger Betrachtung sehr wichtige Kursmarken für die Börse darstellen. Dies zeigt, dass trotz aller Widrigkeiten die langfristigen Kurstreiber immer noch intakt sind.

Bei den festverzinslichen Wertpapieren kam es ebenfalls zu deutlichen Verwerfungen. Nachdem in weiten Teilen der Welt Geschäfte und Fabriken schließen mussten, hat der Markt quasi über Nacht bei diesen Papieren so reagiert, als ob es kurzfristig zu einer extremen Insolvenzwelle kommen wird.

Dabei war es völlig nebensächlich, ob es sich bei dem Emittenten um ein solide finanziertes Unternehmen handelt oder nicht. So verlor beispielsweise eine Anleihe des Hamburger Familienunternehmens Otto innerhalb weniger Tage fast zwanzig Prozent im Kurs. Dies zeigt einmal mehr die extreme Panik, die an den Märkten herrschte.

Was wird unternommen?

Wir befinden in nach wie vor in einer sehr dynamischen Situation. Wichtig ist vor allen Dingen, dass sich in Europa der Zeitraum, in der sich die Zahl der Infizierten verdoppelt, bis auf wenige Ausnahmen in die gewünschte Richtung entwickelt. Sowohl in Deutschland als auch in Spanien und Italien liegt diese Kennziffer bereits bei über zehn Tagen. Dies war laut Aussagen der Politiker eine wesentliche Voraussetzung, um über eine Lockerung der Maßnahmen nachzudenken.

In Asien, insbesondere in China, wurden die Beschränkungen bereits wieder gelockert. Unternehmen können wieder normal öffnen und die Menschen können sich weitestgehend ohne Einschränkungen bewegen. Allerdings zeigt sich, dass diese Möglichkeit in den ersten Tagen nur zögerlich angenommen wird, da die Verunsicherung noch hoch ist.

In Europa sind die Verbote und Einschränkungen noch durchgehend in Kraft, und dies wird auch bis mindestens Ende April so bleiben. Da die Maßnahmen Wirkung zu zeigen scheinen, wird über einen möglichen Abbau der Maßnahmen nachgedacht. Dies würde die konjunkturellen Auswirkungen in Grenzen halten. In welchem Zeitraum welche Regelungen gelockert oder gar aufgehoben werden, ist aber noch nicht absehbar.

Die USA sind leider noch nicht so weit. Dort schlug Corona erst einige Wochen später als in Europa zu. Zunächst nahm Präsident Trump das Virus nicht ernst, so dass wertvolle Zeit verschenkt wurde. Schutzmaßnahmen wurden erst dann eingeführt, als deutlich wurde, dass auch in Amerika das Virus voll zuschlagen dürfte. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass Corona dort bis zu 250.000 Menschenleben kosten könnte.

Die Unternehmen reagierten auf die Maßnahmen extrem schnell und deutlich. Da es in den USA keine Regelungen zu Kündigungsschutz oder Lohnfortzahlung gibt, führten die Ladenschließungen sofort zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Die USA haben innerhalb von wenigen Wochen die Zahlen aus der Lehman-Krise übertroffen. Dies dürfte auch die dortige Wirtschaft hart treffen.

Allerdings sollte man zwei Punkte bedenken: die Dynamik des Arbeitsmarktes arbeitet gerade in den USA auch in die andere Richtung. Auch wenn bei einer Normalisierung der Situation nicht sofort wieder sämtliche zuvor Entlassenen wieder in Lohn und Brot stehen werden, sollten sich die Zahlen doch wieder normalisieren.

Der zweite Punkt ist die im Herbst anstehende Präsidentschaftswahl. Der Wahlsieg wird in diesem Jahr nur darüber führen, wie gut die Corona-Krise bekämpft und wie die Wirtschaft anschließend wieder angekurbelt wird.

Nur diese Belebung der Wirtschaft sichert das politische Überleben von Donald Trump. Da ihm die Höhe der Staatsverschuldung vergleichsweise wenig interessiert, wird er alles in seiner Macht Stehende tun, um die Konjunktur so schnell und so weit wie möglich anzukurbeln.

Dies sollte dann auch entsprechende Auswirkungen auf den amerikanischen Aktienmarkt haben, der als weltweite Leitbörse dann auch auf die anderen Märkte ausstrahlen wird.

Wie geht es weiter?

So hart uns das Coronavirus auch getroffen hat – das Leben wird weitergehen. Wir werden Schritt für Schritt wieder zur Normalität zurückkehren, auch wenn uns die Pandemie sicherlich noch eine Zeit lang begleiten wird.

Die Stilllegung der Wirtschaft wird zu einer globalen Rezession in diesem Jahr führen. Wie stark der konjunkturelle Rückgang sein wird, ist jedoch noch nicht abschätzbar. Diese Gewissheit hat sich seit Ende Februar in den Börsenkursen niedergeschlagen und zu den deutlichen Abschlägen geführt.

Dabei wurde insbesondere in den ersten Tagen der Panik nicht differenziert, wie stark die Auswirkungen auf das einzelne Unternehmen tatsächlich sein dürften. Es wurde einfach alles verkauft, da die Märkte komplett in Panik verfallen sind.

Die Bewertungen der Unternehmen sind innerhalb weniger Wochen auf Niveaus gesunken, die in vergangenen Krisen in der Nähe der Kurs-Tiefs erreicht wurden. Deutsche Aktien notieren aktuell auf Höhe der bilanziellen Buchwerte.

Selbst inmitten der Lehman-Krise lag die Bewertung der Konzerne nur etwas tiefer. Die Aktienmärkte haben also bereits sehr viel Pessimismus in den Kursen berücksichtigt.

Eine weitere wichtige Kennziffer für die Beurteilung der Märkte ist ebenfalls sehr interessant. Das sogenannte „Shiller-KGV“ misst die Bewertung der Aktienmärkte im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre – also auch den Zeitraum weit vor der Corona-Krise.

Dieses „Shiller-KGV“ ist im Zuge der Korrektur ebenfalls deutlich gesunken; die Aktienmärkte sind also deutlich günstiger geworden. Aktuell entspricht dieser Wert den tiefsten Niveaus der vergangenen Krisen, wie die rot gezeichnete Linie der Grafik auf der folgenden Seite zeigt.

Allerdings dürfte uns die Unsicherheit über die tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie noch eine Weile beschäftigen. Daher dürfte auch den Börsen noch eine Periode mit höheren Schwankungen bevorstehen. Wie aber bereits die Grafik auf der ersten sowie auf dieser Seite zeigen, ist das Risiko für weitere Kursabschläge auf zehn bis fünfzehn Prozent begrenzt. Insbesondere dann, wenn die Konjunkturpakete und die Stützungsmaßnahmen greifen und sich die wirtschaftliche Tätigkeit bald wiederbelebt.

Wichtig bleibt in dieser Zeit vor allem eins: in jeder Situation handlungsfähig zu sein. Sowohl, um weiter Risiken reduzieren zu können, als auch, um bei einer Beruhigung der Lage die Chance nutzen zu können, die diese Krise an der Börse bietet. Wir haben daher in den vergangenen Wochen die Risiken deutlich reduziert und haben gleichzeitig ausreichend Liquidität bereitgestellt, um genau diese Chancen für Sie nutzen zu können.

Substanzwerte mit starken Marken, globaler Präsenz und gesunden Bilanzen notieren aktuell teilweise bis zu fünfzig Prozent unter ihrem fairen Wert. Die vergangenen Jahre haben gezeigt: in Zeiten der größten Panik ergeben sich die größten Chancen.

Ihr

Knapp Voith Vermögensverwaltungsteam