Kommt die zweite Welle?

Nachdem der Ausbruch der Corona-Pandemie die Börsen in einer noch nie gesehenen Geschwindigkeit auf Talfahrt schickte, folgte die anschließende Erholung ebenfalls in Rekordzeit.

Die Kapitalmärkte konnten sich wieder vom heftigen Einbruch im März erholen, notieren jedoch seit Jahresbeginn immer noch im Verlust.

Die Aktienmärkte der USA (-1% seit Jahresbeginn) und Deutschland (-4%) haben sich international noch am besten geschlagen, wohingegen der europäische Aktienmarkt seit Anfang Januar noch immer bei einem Verlust von fast 15 Prozent notiert.

Wo stehen wir aktuell?

Viele Daten zeigen, dass sich die globale Konjunktur tatsächlich v-förmig zu erholen scheint. Dem starken Einbruch durch den Lockdown folgt nun eine ebenso deutliche Wiederbelebung der Wirtschaft.

Im April lagen die Prognosen noch bei einem Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung von über zehn Prozent. Jetzt liegt die Erwartung „nur noch“ bei einem Rückgang von fünf Prozent. Immer noch deutlich spürbar, aber mit viel geringeren Auswirkungen als zunächst befürchtet. Im kommenden Jahr soll die Erholung weitergehen. Die Wirtschaft dürfte so im kommenden Jahr wieder auf dem Stand „vor Corona“ sein.

Dies gilt aber lediglich für die Betrachtung der Wirtschaft als Ganzes. Innerhalb der verschiedenen Branchen gibt es sehr unterschiedliche Entwicklungen. So gibt es Unternehmen, die in diesem Jahr keine Auswirkungen von Corona spüren oder ihr Ergebnis sogar noch verbessern können. Beispielsweise in der IT bzw. Digitalisierung, aber auch im Lebensmitteleinzelhandel. Aber es gibt auch Branchen, die noch mehrere Jahre sehr deutliche Auswirkungen spüren dürften. Hier ist der gesamte Tourismus-Sektor das deutlichste Beispiel, aber auch der klassische Einzelhandel und die Gastronomie sind stark betroffen.

Nicht nur für die Kapitalmärkte ist es wichtig, wie die Ausbreitung des Virus in der kalten Jahreszeit verläuft. Aktuell erleben wir wieder deutlich steigende Infektionszahlen. Allerdings ohne einen starken Anstieg der Todesfälle. Dies dürfte daran liegen, dass schnell und gezielt lokale Eindämmungsmaßnahmen beschlossen werden. Dies scheint die Ausbreitung des Virus insbesondere auf Risikogruppen in Grenzen zu halten. Auch die Reise-Restriktionen scheinen hierbei zu helfen.

An den Märkten gibt es zumindest bislang einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verlauf der Infektionszahlen und der Entwicklung der Kurse. Während die Kurse Anfang des Jahres mit der exponentiellen Zunahme der Infizierten im Gleichklang einbrachen, erholten sich die Märkte im gleichen Masse wie der Rückgang der Neuinfektionen.

Dies erklärt im Übrigen auch die bislang im Vergleich schleppendere Kurserholung im Rest Europas. Hier liegt die Zahl der Neuinfektionen in manchen Ländern wieder über den Marken aus den Monaten März und April.

Wie geht es jetzt weiter?

Mittel- und langfristig bleibt die Bereitstellung eines Impfstoffes sowohl für die Bekämpfung der Pandemie als auch für die Erholung der Konjunktur der wichtigste Faktor. Aktuell werden gerade mit Hochdruck viele Wirkstoffe auf der ganzen Welt erprobt, um möglichst schnell einen Impfstoff verfügbar zu haben.

Die Hoffnung, dass somit nicht nur ein, sondern mehrere Impfstoffe erfolgreich zugelassen werden, ist somit recht hoch. Lediglich der Zeitpunkt, ab dem der Wirkstoff zur Verfügung steht, ist noch offen. Verlauf und Erfolg der jeweiligen Studien sind leider nie exakt vorhersehbar.

Nach heutigem Kenntnisstand kann man davon ausgehen, dass die Wissenschaft die Auswirkungen der Pandemie in den Griff bekommen wird. Auch die globale Konjunktur wird sich von Corona wieder erholen. Allerdings sollte bei der Auswahl von Investitionen nach wie vor darauf geachtet werden, welche Unternehmen von den strukturellen Veränderungen betroffen sind, die das Corona-Virus ausgelöst oder beschleunigt hat.

Was wird sonst noch wichtig?

In den kommenden Wochen finden die US-Präsidentschaftswahlen statt. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre kann man davon ausgehen, dass es im Vorfeld der Wahlen noch zu einigen ungewöhnlichen Entwicklungen kommen könnte. Der Wahlkampf wird sehr emotional und irrational ausgetragen. Der Ausgang ist nach wie vor völlig offen.

Die Programme der beiden Kandidaten ähneln sich in manchen Punkten. Beispielswiese darin, US-Unternehmen zu bevorzugen. In anderen Punkten unterscheiden sich die Positionen jedoch deutlich. So wird Trump möglicherweise weitere schuldenfinanzierte Konjunkturpakete auf den Weg bringen. Biden hingegen hat Steuererhöhungen zur Finanzierung von Wirtschaftshilfen ins Spiel gebracht. Trump wird außenpolitisch auf Konfrontationskurs bleiben. Biden wird sehr wahrscheinlich einen angepassteren und verlässlicheren Stil pflegen. Wir analysieren bereits jetzt, welche Unternehmen und Branchen von welchem Kandidaten profitieren und welche möglicherweise ein schwierigeres Umfeld erwarten könnte.

Ihr

Knapp Voith Vermögensverwaltungsteam