Erinnerungen an 2018

Das Jahr startete an den Börsen freundlich, es ging kontinuierlich aufwärts. Im Vorjahr war die Angst groß, dass es zu einer globalen Rezession mit steigenden Zinsen in den USA kommt. Das Gegenteil trat ein, die Stimmung der Anleger hellte sich wieder auf.

In den letzten Monaten wurde es allerdings wieder etwas rauer an den Märkten, da Erinnerungen an das Vorjahr wieder wach wurden. Der Handelskrieg zwischen den USA und China eskalierte erneut, die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits ist deutlich gestiegen. Und in diesem Jahr zeigt sich, dass sich die Konjunktur tatsächlich weltweit abkühlt.

Die konjunkturelle Dynamik bleibt in Europa besonders schwach, insbesondere in Deutschland. Die heimischen Unternehmen mit ihrer starken Ausrichtung auf Autos, Industrie, Chemie und Banken spüren die internationale Zurückhaltung der Wirtschaft besonders deutlich.

Deutschland dürfte sogar wieder in eine Rezession rutschen, wenn auch nur in eine leichte. Dies wird Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen, wenn man die angekündigten Stellenstreichungen der letzten Wochen bei den Banken und in der Automobil-Branche betrachtet.

Die Notenbanken reagieren

Die Notenbanken haben bereits reagiert. In den USA wurden die Zinsen bereits gesenkt, nachdem 2018 eigentlich schon Zinswende verkündet wurde.

Die EZB hat den Minus-Zins weiter erhöht und wird sogar wieder das umstrittene Anleihen-Kaufprogramm aufnehmen. Dabei zeigt sich eine zunehmende Spannung innerhalb der Notenbank. Längst nicht alle Länder heissen diese Entscheidung gut. Die neue EZB-Chefin Lagarde tritt also ein schwieriges Erbe an, wenn sie Mario Draghi ablöst.

Auswirkungen bislang hauptsächlich in Europa

Die EZB muss am stärksten reagieren, da die Konjunkturabkühlung und der Handelskrieg vor allem in Europa spürbar sind. Sollte sich die Entwicklung in den kommenden Monaten weiter fortsetzen, ist auch die Politik gefragt. Sie sollte mit entsprechenden Konjunkturpaketen gegensteuern, denn die Einflussmöglichkeiten der Notenbanken sind begrenzt.

Es gibt momentan noch keinen Grund, allzu pessimistisch zu sein. Wir sehen lediglich eine Abkühlung des Wachstums, gepaart mit dem Willen der Notenbanken, entgegen zu steuern. Oftmals reicht ein kleiner Funke aus, um die Situation wieder komplett zu ändern.

Viele Konjunktur-Indikatoren sind bereits in Regionen gerutscht, die zuletzt während der letzten Rezession im Jahr 2009 gemessen wurden. Diese Tiefstwerte gaben rückblickend betrachtet oftmals an der Börse oft den Startschuss für höhere Notierungen.

Die grauen Abschnitte markieren die Zeiträume nach den ZEW-Tiefstwerten

Ein positives Signal kann aus vielen Ecken kommen, beispielsweise eine Einigung beim Brexit oder ein Kompromiss beim Handelskrieg. Da in den USA bald der Vorwahlkampf für die kommende Präsidentschaftswahl beginnt, könnte eine Einigung wahrscheinlicher werden. Donald Trump wird einen daraus resultierenden Aufschwung medienwirksam für seine Kampagne ausschlachten.

Ihr

Knapp Voith Vermögensverwaltungsteam