Warum wollen Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren?

Eine Bank mit 2 Billionen Euro Bilanzsumme mit weltweit fast 50 Millionen Kunden – diese Zahlen sehen auf den ersten Blick eindrucksvoll aus. Doch selbst wenn sich Deutsche Bank und Commerzbank nun zu einer Fusion entschließen sollten, wäre die neue „Deutsche Commerz“ immer noch weit von einer internationalen Spitzenbank entfernt.

Bei einem Zusammenschluss finden nämlich keine zwei starken Partner zusammen, die sich ergänzen. Es sitzen zwei Institute am Verhandlungstisch, die im Ausland den Anschluss verloren haben, im Heimatmarkt aufgrund der Marktstruktur mit Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken aber dauerhaft nicht genug Geld verdienen können, um ein „nationaler Champion“ zu werden. Die Aktienkurse der beiden Banken sagen ihr übriges.

Die Commerzbank hat sich bereits vor Jahren aus dem internationalen Geschäft zurückgezogen. Das Inlandsgeschäft wird mal auf die Privatkunden, dann wieder auf die Unternehmenskunden ausgerichtet – beides mit durchwachsenem Erfolg. Die Deutsche Bank sieht sich immer noch auf Augenhöhe mit den globalen Investmentbanken, doch das einzige, wo die Bank immer oben mitspielt, sind die Boni-Zahlungen für die Angestellten in dieser Sparte.

Die Deutsche Bank musste im Übrigen seit 2008 diverse Strafzahlungen von insgesamt mehr als 15 Milliarden Euro zahlen – wo immer es seit dem Ausbruch der Bankenkrise einen Skandal oder ein Vergehen gab, die Deutsche Bank war dabei. So verlor die Bank derart an Reputation, dass sich immer mehr wichtige Geschäftspartner abgewendet haben und man mittlerweile auch im Investmentbanking maximal noch in der zweiten Liga mitspielt.

Der einzige Sinn einer Fusion läge einzig und allein darin, durch einen Zusammenschluss massiv Kosten einzusparen, um zumindest auf diesem Weg wieder Gewinne in konkurrenzfähiger Höhe ausweisen zu können. Allerdings wäre dies nur durch einen sehr deutlichen Jobabbau zu bewerkstelligen. Nicht nur durch den Abbau von Doppelfunktionen (oder sogar dreifach, wenn man die Postbank noch mit dazurechnet), sondern auch durch eine deutliche Reduzierung des Filialnetzes. So haben beide Banken Ende 2018 jeweils über 1.000 Filialen in Deutschland – teilweise nicht nur in der gleichen Stadt, sondern in direkter Nachbarschaft.

Wie dies mit dem Staat als Großaktionär der Commerzbank machbar wäre, bleibt aber fraglich. Die Regierung hat deutlich erklärt, nie wieder einer Bank mit Steuergeldern unter die Arme greifen zu wollen. Da Deutschland aber immer noch an der Commerzbank beteiligt ist, wäre in der aktuellen Konstellation absehbar, dass der Staat doch wieder mit im Boot sitzt und bei der nächsten Rettungsaktion doch wieder einspringt. Die fusionierte Bank wäre dann nämlich erst recht „too big to fail“ – daher haben sich beispielsweise auch die fünf Wirtschaftsweisen deutlich gegen eine Fusion ausgesprochen.

Darüber hinaus würde die Entlassungswelle nach Schätzungen vieler Marktkenner bis zu 10 Milliarden Euro kosten. Geld, das beide Banken nicht haben. Und ob die Aktionäre einer Kapitalerhöhung zustimmen würden, mit dessen Erlös ausschließlich Jobkürzungen finanziert werden würden, ist ebenfalls fraglich.

Die Idee, die schwachen deutschen Banken unter das Dach eines starken Partners schlüpfen zu lassen, ist prinzipiell nicht verkehrt – allerdings müsste dieser Partner mit neuem Know How, einer passenden Strategie und vor allem viel Kapital aus dem Ausland kommen, wo es deutlich solidere Banken gibt, die gerne in Deutschland Fuß fassen würden. Ob dies aber politisch machbar wäre, ist eine ganz andere Frage. Ob die beiden Banken aber dauerhaft alleine überleben können aber auch.