Wie ist die aktuelle Lage beim Coronavirus?

Stand: 27.03.2020

Aktuell gibt es weltweit 551.771 mit dem Coronavirus infizierte Personen. Es gibt mittlerweile 25.085 Todesfälle, davon 8.215 aus Italien sowie 4.858 in Spanien.

Nachdem das Epizentrum der Epidemie lange Zeit in China lag, gibt es dort mittlerweile kaum noch neue Infektionen. Aktuell wütet das Coronavirus am schlimmsten in Italien. Dort gibt es über 80.000 Infizierte, und es gibt dort mehr Tote als in China. Die Situation dort ist extrem besorgniserregend. Das Gesundheitssystem in Norditalien ist derart überlastet, dass die Ärzte dort Entscheidungen fällen müssen, welche Patienten an die lebensnotwendigen Beatmungsgeräte angeschlossen werden können. Das Militär musste bereits die Leichen aus den Krankenhäusern in Krematorien transportieren.

Auch in Spanien spitzt sich die Situation immer mehr zu. Nachdem das Virus sich dort zunächst wie in anderen Ländern verbreitete, nahm das Tempo in den letzten Tagen deutlich zu. Aktuell sind dort 64.059 Infizierte zu verzeichnen, fast 5.000 Menschen sind an dem Virus gestorben. Und auch in den USA nimmt jetzt die Verbreitung des Virus rasant zu. Dort hat die Zahl der Infizierten mit 85.991 erstmals die Zahlen aus China übertroffen.

Auch in Deutschland ist die Zahl der Infizierten in den vergangenen Tagen weiter angestiegen. Mittlerweile gibt es 46.601 Corona-Fälle. Es sind 281 Personen an den Folgen der Viruserkrankung gestorben. Dass die Sterblichkeitsrate im Vergleich zu vielen anderen Ländern bei uns deutlich niedriger liegt, ist nach Aussage von Experten unter anderem auf die Maßnahmen der Regierung zur Schließung von Geschäften und zur Reduzierung der Kontakte zwischen den Menschen zurückzuführen. Dennoch sieht man an den Zahlen, dass die Zahl der Infizierten weiterhin sprunghaft ansteigt.

Welche Maßnahmen werden aktuell getroffen?

Die Regierung und die Experten haben in den vergangenen Tagen nochmals dringlich an die Menschen appelliert, die Kontakte zu anderen Menschen auf das absolut notwendigste zu reduzieren. Dies ist die einzige Möglichkeit, eine ähnlich dramatische Entwicklung wie in Italien zu verhindern. Es geht schon lange nicht mehr darum, das Virus zu stoppen. Es geht ausschließlich noch darum, die Ausbreitung so gut es geht zu verlangsamen. Die deutsche Gesellschaft für Epidemiologie hat in einer Stellungnahme vom 19. März noch einmal sehr eindringlich die Notwendigkeit dieser Maßnahmen betont.

Die Bevölkerung scheint sich sehr stark an die neuen Empfehlungen zu halten. Die öffentlichen Aktivitäten sind sehr stark zurückgegangen. Einige Bundesländer, unter anderem Bayern, haben strikte Ausgangssperren erlassen. Andere Bundesländer haben diesen formalen Akt noch nicht vollzogen, haben aber ebenfalls die Regelungen verschärft. So sind mittlerweile alle Geschäfte geschlossen, die nicht der Versorgung des täglichen Lebens oder medizinischer Versorgung dienen. Es sollen sich maximal zwei Personen in einer Gruppe aufhalten, die nicht aus einer Familie oder einem gemeinsamen Haushalt stammen.  Solange die Menschen diese Regelungen in den kommenden zwei Wochen einhalten, dürften sich die Regelungen nicht weiter verschärfen.

Dennoch steigen die Zahlen der Infizierten weiter rasant an. Dies wird nach wie vor durch die vielen Urlaubs-Rückkehrer erklärt, die erst jetzt Symptome zeigen. Normalerweise sollte man davon ausgehen können, dass sich die Steigerungsrate der Neuinfektionen gegen Ende dieser Woche oder in der kommenden Woche langsam senken sollte.

Aktuell werden jede Woche ungefähr 100.000 Tests auf Corona-Infektionen durchgeführt. Es ist also keineswegs so, dass hierzulande zögerlich getestet werden würde. Da momentan die maximal mögliche Zahl von durchführbaren Tests bei ca. 125.000 bis 130.000 Test in der Woche liegt, kann man erkennen, dass die Labore bereits an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Dementsprechend ist auch das aktuelle Vorgehen der Behörden zu verstehen. Es ist schlicht und einfach gar nicht möglich, jede Person mit leichten Symptomen zu testen. Das das System dennoch gut funktioniert, zeigt zumindest bislang die im Internationalen Vergleich sehr niedrige Zahl an Todesfällen.

Welche Auswirkungen hat das Virus?

Das öffentliche Leben ist mehr oder weniger auf der ganzen Welt zum Stillstand gekommen. In vielen Ländern gibt es Ausgangssperren. Läden sind geschlossen, die Versorgung ist auf das Notwendigste reduziert. Immer mehr Grenzen schließen, der Luftverkehr ist quasi völlig zum Erliegen gekommen. Selbst vor vierzehn Tagen konnten sich nur wenige die drastischen Ausmaße der Epidemie vorstellen.

Nachdem die eindrücklichen Warnungen der Politik und Behörden Wirkung gezeigt haben, wurde zumindest in Teilen der Republik auf Ausgangssperren verzichtet. Die bisherigen Regelungen wurden jedoch nochmals verschärft. Sämtliche Geschäfte, die nicht der täglichen oder medizinischen Versorgung dienen, sind geschlossen. Man darf sich noch nach draußen begeben, um Spazieren zu gehen oder Sport zutreiben. Allerdings nur noch zu zweit oder als Familie. Und natürlich gilt weiterhin, Kontakte so weit es nur geht zu vermeiden.

Um die Wirtschaft zu stützen, wurden bereist diverse Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Es werden sehr schnell und unbürokratisch Hilfspakete beschlossen, um die ganz unmittelbaren Auswirkungen dieser „Vollbremsung“ so gut wie möglich abzufedern. Aber eins dürfte auch klar sein: in einer solchen Situation dürfte jeder in irgendeiner Form ein Opfer bringen müssen. Die Regierung hat bereits diverse Programme auf den Weg gebracht. Viele zielen darauf ab, gerade die kleinen Unternehmen und die unmittelbar betroffenen Menschen zu unterstützen und deren Existenz zu sichern.

Wie erwartet ist ein neues Zentrum der Virus-Ausbreitung in den USA. Nachdem Donald Trump lange Zeit eine Gefahr durch das Virus schlicht geleugnet hat, wurden auch hier erste Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung getroffen. Allerdings scheinen die Maßnahmen dort nur sehr zögerlich und schrittweise eingeführt zu werden. Noch an diesem Wochenende fanden noch diverse „Spring Break“-Parties statt, bei denen sich große Massen zum Feiern an diversen Orten in den USA versammelt haben.  Allerdings wurden in den großen Metropolen Los Angeles und New York bereits ähnliche Maßnahmen wie in Europa eingeführt. Nachdem die Zahl der Infizierten in Amerika zunächst nur sehr langsam anstieg, stammen jetzt mit über 85.000 Fällen bereits mehr als fünfzehn Prozent der weltweit Infizierten aus den USA.

Wie erfolgreich die Bekämpfung der Epidemie dort wird, ist fraglich. 30 Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung und dürften daher bei Symptomen keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Und die Tatsache, das Amerikaner ab dem ersten Krankheitstag keine Lohnfortzahlung mehr erhalten, dürfte auch dazu führen, dass viele Menschen dort krank zur Arbeit gehen werden. Auch der Fokus scheint ein anderer zu sein. Im Rest der Welt liegt das Augenmerk ganz klar darauf, die eigene Bevölkerung so gut wie möglich zu schützen und die daraus resultierenden wirtschaftlichen und menschlichen Folgen so gut wie möglich abzufedern. In den USA gilt es scheinbar vor allem, die Wirtschaft zu schützen. Donald Trump möchte die Einschränkungen des Lebens so schnell wie nur irgendwie möglich zurück nehmen. Der texanische Gouverneur hat seine älteren Landsleute sogar dazu aufgerufen, sich für die jüngeren Mitmenschen und für die Wirtschaft zu opfern. Dies sind Ansichten, die nicht nur ein anderes Weltbild zeigen, sondern auch dazu führen könnten, dass sich das Virus dort sehr viel hartnäckiger zeigen könnte als im Rest der Welt.

Löst das Coronavirus eine Rezession aus?

Eine globale Rezession dürfte in diesem Jahr mittlerweile unvermeidlich sein. Durch die Schließungen von Geschäften und die Stillegung der Produktion in vielen Bereichen der Industrie wurde quasi ein Anker ausgeworfen, der die komplette Wirtschaft aus voller Fahrt auf 0 abgebremst hat.

Die Börsen haben dies in den letzten Wochen eingepreist. Und dies in einer Geschwindigkeit, die es noch nie zuvor gegeben hat. Nicht zu Zeiten der Bankenkrise 2008, auch nicht in der Weltwirtschaftskrise 1929. Dies unterstreicht noch einmal die Dramatik der Situation, in der wir uns bewegen.

Notenbanken und Politiker haben bereits reagiert und gewaltige Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Dies wird der Wirtschaft auch sicherlich helfen, diese Situation zu überstehen. Da die Märkte aber durch die Panik der Anleger in eine Abwärtsspirale geraten sind, braucht es mehr als Liquiditätshilfen und Notfallkredite. Es ist anzunehmen, dass sich die Lage an den Börsen erst wieder bessert, wenn die Daten zeigen, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus auf der ganzen Welt verlangsamt. Wann dies der Fall ist, kann in der jetzigen Lage wohl niemand mit Sicherheit voraussagen.

Allerdings ist in den Kursen auch bereits sehr viel Negatives eingepreist. Daher ist es ratsam, in der aktuellen Situation einen ruhigen Kopf zu bewahren. Denn eins sollte man als Anleger im Hinterkopf behalten. Sobald sich die Situation wieder beruhigt, dürfte das Pendel sehr schnell wieder in die andere Richtung umschlagen. Und wer sich dann komplett aus dem Markt zurückgezogen hat, profitiert dann auch nicht von den deutlich günstigeren Bewertungen.