Wie ist die aktuelle Lage beim Coronavirus?

Stand: 29.05.2020

Aktuell gibt es weltweit 5.874.650 mit dem Coronavirus infizierte Personen. Es gibt 360.919 Todesfälle, die meisten Todesfälle gibt es in den USA. Dort sind inzwischen 101.621 Tote zu verzeichnen. Mittlerweile gibt es laut offiziellen Statistiken bereits 2.437.965 Personen, die nach einer Corona-Infektion wieder gesund sind. Über 41 Prozent der erfassten Patienten sind also bereits wieder gesund.

Mittlerweile stammen 28 Prozent der weltweiten Corona-Toten aus den USA. Mit 1.721.926 Fällen ist Amerika in Rekordzeit zum globalen Spitzenreiter bei der Zahl der Infizierten geworden. Zunächst waren die Zahlen aus Spanien und Italien am höchsten, dort hat sich die Lage aber stabilisiert. Momentan sind Brasilien sowie Russland die Länder mit den am schnellsten ansteigenden Fallzahlen. Dort gibt es seitens der Regierung keinerlei Schutzmaßnahmen, teilweise wird sogar die Existenz des Virus in Frage gestellt.

In Deutschland gibt es aktuell 182.559 Infizierte. Von diesen Erkrankten gelten 164.120 als geheilt, 8.472 Personen sind an den Folgen der Viruserkrankung gestorben. Insbesondere die Tatsache, dass mittlerweile 90 Prozent der Corona-Patienten wieder gesund sind, scheint eine ermutigende Zahl zu sein. Der Zuwachs an neuen Infektionen ist deutlich rückläufig. Die gute medizinische Versorgung und das erreichte Ziel, das Gesundheitssystem nicht an die Belastungsgrenze zu bringen, haben die Sterblichkeit in Deutschland deutlich unter den Daten aus anderen Ländern bleiben lassen.

Man kann aber davon ausgehen, dass überall auf der Welt die Zahl der auf diese Art und Weise Erkrankten höher liegen dürfte. Ohne Symptome wird oft nicht getestet, so dass viele Fälle unentdeckt oder unregistriert sein dürften. In Amerika zeigt sich insbesondere, dass die Bevölkerung sehr unterschiedlich unter Corona leidet. So zeigte ein kürzlich durchgeführter Test, dass in der Bronx in New York bereits mehr als 20 Prozent der Bewohner mit Corona infiziert gewesen waren, wohingegen die Quote in anderen Gegenden deutlich niedriger ausfiel. Neben dem Effekt, dass die Menschen in einer Großstadt auf deutlich engerem Raum zusammen leben, zeigt sich hier ein Unterschied, den ein sozialer Status in den USA ausmachen kann.

Welche Maßnahmen werden aktuell getroffen?

Die Kontaktsperren und Ladenschließungen haben ihr Ziel erreicht. Die Infektionsrate hat sich rund um den Globus deutlich verlangsamt. Die von Wissenschaftlern geforderte Abflachung der Kurve der Infektionszahlen wurde erreicht (unter anderem in dieser Stellungnahme der deutschen Gesellschaft für Epidemiologie vom 19. März).

Mittlerweile dürfen sämtliche Geschäfte und auch Restaurants wieder öffnen. Allerdings gibt es weiterhin Einschränkungen, beispielsweise bei der zulässigen Zahl der Personen, die sich gleichzeitig in den Geschäftsräumen aufhalten dürfen. Auch gilt weiterhin eine Maskenpflicht und die Pflicht zur Einhaltung von Mindestabständen. Schrittweise werden auch touristische Ausflüge, beispielsweise an Nord- und Ostsee, wieder erlaubt.

Kontaktverbote gelten zwar weiterhin bis Anfang Juni, allerdings dürfen sich nun wieder Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten treffen. Bei diesen Besuchen muss zwar weiterhin der Mindestabstand eingehalten werden, aber dies stellt eine deutliche Lockerung der bisherigen Einschränkungen dar.

Die Besuchsbeschränkungen bei Kliniken, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen werden ebenfalls geändert. Jedem Bewohner soll es möglich sein, wiederkehrenden Besuch von einer bestimmten Person zu empfangen. Freizeitsport soll ebenfalls wieder möglich sein, allerdings darf es hierbei weiterhin zu keinem Körperkontakt kommen.

Zukünftig wird die Hoheit über weitere Entscheidungen vom Bund auf die Länder übertragen. Dies wird zwar dazu führen, dass es weiterhin sehr unterschiedliche Regelungen innerhalb Deutschlands geben dürfte. Allerdings sind die Länder so in der Lage, deutlich individueller auf die jeweilige Situation im Bundesland einzugehen als immer eine bundesweite Lösung übergestülpt zu bekommen.

Die Länder müssen aber sicherstellen, dass die Zahl der Neuinfektionen aber unter der Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern bleibt. Wird diese Zahl überschritten, werden bestimmte Lockerungsmaßnahmen wieder zurückgenommen, zunächst für mindestens sieben Tage. Anschließend wird dann über eine Fortführung oder Rücknahme entschieden.

Unter dem Strich geht es also einen deutlichen Schritt voran, auch wenn wir immer noch deutlich von einem Zustand der Normalität entfernt sind. Vor allem die Entscheidung, den Ländern die Möglichkeit zu geben, individuell nach der Lage in der Region zu entscheiden, dürfte ein Vorteil im Vergleich zur vorherigen Situation darstellen.

In den kommenden Wochen dürfte die Durchführung von Tests in der breiten Bevölkerung auf die Tagesordnung rücken. Mit den Tests soll die tatsächliche Verbreitung des Virus innerhalb der Bevölkerung nach und nach getestet werden. Lange Zeit waren die hierfür erhältlichen Tests unzuverlässig. Mittlerweile gibt es jedoch mindestens einen Test, der belastbare Ergebnisse liefert. Auch eine Tracking-App wird ein weiterer wesentlicher Erfolgsbestandteil der Bekämpfung des Virus werden. Nur mit einer solchen App ist es bei einer Lockerung der Maßnahmen möglich, schnell und effektiv Infektionsketten zu erkennen und zu stoppen, ohne gleich wieder in den Lockdown zurückfallen zu müssen. Es wird wohl allerdings noch ein paar Wochen dauern, bis diese App in Deutschland zur Verfügung steht.

Bei der Entwicklung eines Impfstoffes gibt es sehr viele Initiativen von Forschungsunternehmen. Rund um den Globus gibt es mittlerweile fast 100 Unternehmen, die einen Impfstoff gegen das Coronavirus suchen. Bis dieser aber tatsächlich gefunden und zugelassen wurde, dürfte es nach Meinung vieler Experten noch bis ins kommende Jahr dauern. Daneben gibt es Studien für ein Medikament zur Behandlung von Corona-Infizierten. Nachdem erste Versuche mit einem Malaria-Mittel sehr schnell wegen Erfolglosigkeit beendet wurden, liegen nun die Hoffnungen auf einen Wirkstoff, der ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt wurde – dort aber erfolglos war.

Die ersten Ergebnisse mit diesem Medikament unter dem Namen Remdesivir liegen nun vor. Es scheint, dass es tatsächlich dazu führt, den Verlauf der Erkrankung zu verkürzen. Allerdings müssen diese Ergebnisse noch weiter ausgewertet und validiert werden, so dass es zu früh wäre, von einem Mittel gegen Corona sprechen zu können.

Welche Auswirkungen hat das Virus?

Durch die Ausgangssperren ist das öffentliche Leben auf der ganzen Welt zum Stillstand gekommen. Die Wirtschaft leidet extrem, es wird in diesem Jahr zu einer globalen Rezession kommen, die vom Ausmaß her der Großen Depression aus den zwanziger Jahren entspricht. In Deutschland ist die Zahl der Kurzarbeiter auf Rekordniveau, in den USA haben sich in den vergangenen Wochen über 20 Millionen Leute arbeitslos gemeldet. Solche Zahlen hat es in der gesamten Geschichte Amerikas noch nicht gegeben.

Die Regierungen rund um den Globus haben gigantische Hilfspakete geschnürt, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung und auf die Unternehmen so gering wie möglich zu halten. Dies wird sicherlich helfen, eine Vielzahl an Insolvenzen zu verhindern. Nichtsdestotrotz ist es für alle Wirtschaftsteilnehmer überlebenswichtig, so schnell wie möglich wieder zu einem halbwegs geordneten Alltag zurückkehren zu können. Auf Dauer kann keine Soforthilfe und kein KfW-Kredit helfen, wenn man keinen Umsatz machen kann.

Es wird also wesentlich darauf ankommen, wie schnell die Wirtschaft nach der Lockerung der Maßnahmen wieder auf die Beine kommt. Erst dann wird man realistisch einschätzen können, wie stark die deutsche Wirtschaft durch die Corona-Krise geschwächt wurde. Dass es aber zu einem deutlichen Einbruch kommen wird, steht bereits jetzt außer Frage. Die Schätzungen über die Höhe des Einbruchs gehen aufgrund der dynamischen Lage momentan noch sehr deutlich auseinander. Der Rückgang des Wirtschaftswachstums dürfte aber in jedem Fall in Deutschland in diesem Jahr mehr als 5,5 Prozent betragen. Einige Experten gehen sogar von einem zweistelligen Rückgang des Wachstums aus. Dies wäre der größte Rückgang seit der großen Depression Anfang der dreißiger Jahre. Dies verdeutlicht die historische Dimension der Auswirkungen des Coronavirus.

Die Hilfspakete werden finanziert, in dem die Staaten in erheblichen Maße neue Schulden aufnehmen. Dies ist kurzfristig absolut richtig und auch notwendig. Langfristig wird dies ohne wenn und aber dazu führen, dass die Zinsen noch sehr lange niedrig bleiben werden. Wir sind damit endgültig in japanischen Verhältnissen angekommen. Warum dies so ist, können Sie hier nachlesen.

Wie stark wird die Corona-Rezession?

Durch die Schließungen von Geschäften und die Stilllegung der Produktion in vielen Bereichen der Industrie wurde quasi ein Anker geworfen, der die komplette Wirtschaft aus voller Fahrt auf 0 abgebremst hat. Dies wird drastische Auswirkungen auf die Konjunktur haben. In Deutschland wird es in diesem Jahr zu einer deutlichen Rezession kommen. Die staatlichen Hilfsprogramme werden sicherlich helfen, gerade die kleinen und mittleren Betriebe zu schützen, so dass hoffentlich die meisten Betriebe überleben werden.

Die Börsen haben diese Vollbremsung der Konjunktur im Februar und März eingepreist. Und dies in einer Geschwindigkeit, die es noch nie zuvor gegeben hat. Nicht zu Zeiten der Bankenkrise 2008, auch nicht in der Weltwirtschaftskrise 1929. Dies unterstreicht noch einmal die Dramatik der Situation, in der wir uns bewegen. Es ist mittlerweile aber absehbar, dass ein Hochfahren der Wirtschaft bereits in Planung ist, auch wenn der genaue Zeitpunkt und Fahrplan aufgrund der sich schnell verändernden Lage noch nicht exakt voraussehbar ist.

Normalisiert sich das alltägliche Leben wieder, wird es sicherlich zu sogenannten Nachhol-Effekten kommen. Die Bestellungen in den Fabriken werden abgearbeitet, und der aufgeschobene Konsum wird nachgeholt. Dies wird helfen, einen Teil des vorherigen Einbruchs wieder aufzuholen. Ein anderer Teil bleibt verloren. Entfallene Restaurant-Besuche, Urlaube etc. können nicht einfach so nachgeholt werden und sind damit „verloren“. Wie schnell die Erholung der Wirtschaft verläuft, kann man ebenfalls noch nicht prognostizieren, da dies auch von dem Verhalten der Menschen abhängt. Und auch der weitere Verlauf der Corona-Epidemie wird sicherlich einen großen Teil zur zukünftigen Entwicklung beisteuern. Gelingt es beispielsweise, das Virus auch nach der Aufhebung der Einschränkungen unter Kontrolle zu halten, sollten die Auswirkungen sich insgesamt in Grenzen halten. Bricht die Epidemie jedoch wieder aus, dürfte es zu erneuten Einschränkungen mit allen Nebenwirkungen kommen.

In den Börsen-Kursen ist bereits sehr viel Negatives eingepreist. Daher ist es ratsam, in der aktuellen Situation einen ruhigen Kopf zu bewahren. Denn eins sollte man als Anleger im Hinterkopf behalten. Sobald sich die Situation wieder beruhigt, dürfte das Pendel an der Börse wieder in die andere Richtung umschlagen. Die Kursverluste haben dafür gesorgt, dass viele Qualitäts-Titel wieder sehr günstig zu bekommen sind. Solche Krisen bieten – zumindest an der Börse – oft auch immer große Chancen.