Die Märkte können sich nicht vom Einfluss der Politik lösen. Egal, ob es Strafzölle in den USA, die Streitereien der Groko, die Regierung in Rom oder die Situation in der Türkei ist – das vergangene Quartal bot einen bunten Strauß von negativen Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte.

Diese Faktoren setzen den Märkten in diesem Jahr sichtbar zu, so dass in diesem Jahr sowohl Aktien als auch festverzinsliche Wertpapiere verloren haben; sogar der Goldpreis konnte sich diesem Trend nicht entziehen, obwohl das Edelmetall ja eigentlich in Krisenzeiten glänzen sollte.

Die europäischen Aktienmärkte haben seit Jahresbeginn über fünf Prozent verloren, ebenso wie die Schwellenländer. Lediglich die USA sowie Japan notieren in diesem Jahr im Gewinn, wobei sich in den USA insbesondere die Steuerreform positiv bei den Gewinnen der Unternehmen bemerkbar macht und somit für positive Stimmung sorgt.

Auch die festverzinslichen Wertpapiere stehen weiterhin bei einem Verlust im Jahr 2018, allerdings weniger deutlich als die Aktienmärkte.

USA vs. der Rest der Welt

Egal, was man sich ansieht – es wird immer deutlicher, dass die USA einen immer rigoroseren Alleingang fahren, ohne auf Interessen und Belange der anderen Nationen Rücksicht zu nehmen. Dies zeigt sich an den Strafzöllen, die sich hauptsächlich gegen China richten, als auch an den Aussagen Trumps bei der UNO, deren Ton von Aggressivität und Kompromisslosigkeit geprägt war.

Kurzfristig beschleunigt sich das Wachstum in den USA sogar, was Trump bei den anstehenden Zwischenwahlen helfen dürfte. Und er schafft es trotz aller martialischen Rhetorik und Drohungen immer wieder, neue „Deals“ abzuschließen, wie die Erneuerung des Handelsabkommens mit Kanada vor wenigen Tagen. Daher dürfte es auch zu einer Lösung zwischen China und den USA kommen, was die Stimmung für den Handel weltweit deutlich aufhellen dürfte.

Wie hoch steigen die Zinsen?

Die Höhe des Zinsniveaus dürfte ein wichtiger Faktor für die kommende Marktentwicklung sein. Aktuell erleben wir eine Phase, in der sich die Zinsen rund um den Globus höchst unterschiedlich bewegen.

In den USA erhöht die Notenbank bereits zum neunten Mal den Leitzins, wohingegen in Europa frühestens Mitte 2019 über einen möglichen ersten Zinsschritt nachgedacht wird. Großbritannien hat sich durch die Entscheidung zum Brexit auch von der europäischen Zinsentwicklung entkoppelt, in der Türkei und Argentinien müssen die Notenbanken die Zinsen laufend aufgrund der sehr hohen Inflation erhöhen.

Dies ist historisch betrachtet ungewöhnlich, zumal sich in den letzten Jahrzehnten durch die Globalisierung die konjunkturelle Lage weltweit sehr stark angeglichen hat. Dadurch entwickelten sich die Zinsen rund um den Globus mehr oder weniger gleichlaufend. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Effekt mittelfristig auch wieder einstellen dürfte – trotz der Strafzölle der USA.

Wohin wird sich das Zinsniveau dann entwickeln? Wie so oft hilft auch hier ein Blick in die Vergangenheit. In Großbritannien gibt es hierzu Daten seit 1878.

Ein Blick zeigt, dass Perioden mit sehr hohen Zinsen die Ausnahme waren – lediglich in den 70er- und 80er-Jahren gab es eine Hochzins-Phase, die ein Abbild der hohen Inflation waren. Das heißt, dass wir auch in Europa früher oder später wieder mit steigenden Zinsen rechnen müssen – allerdings werden wir aus heutiger Sicht nicht in eine neue Ära eintreten, in der die Zinsen jahrzehntelang steigen werden. Vielmehr dürfte es zu einer Normalisierung kommen, die sowohl die Aktienmärkte als auch die Kreditnehmer nicht belasten dürfte.

30. September 2018

Ihr

Knapp Voith Vermögensverwaltungs-Team